Bürgerpreis 2017 des Bayerischen Landtags

Der Bayerische Landtag hat dem Förderverein Zelt der Religionen e.V. in Bamberg einen 2. Preis innerhalb der Verleihung des Bürgerpreises 2017 zuerkannt.
In der offiziellen Verlautbarung heißt es dazu:

Preisträger des Bürgerpreises 2017 stehen fest – Preisverleihung am 19. Oktober im Landtag
Die Preisträger des Bürgerpreises 2017 des Bayerischen Landtags stehen fest. Unter dem Vorsitz von Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat die Jury aus 104 Bewerbungen die Preisträger gekürt. Motto war dieses Jahr: „Mein Glaube. Dein Glaube. Kein Glaube. – Unser Land! Bürgerschaftliches Engagement und weltanschaulicher Diskurs für eine Gesellschaft des Respekts und der Verständigung“. Ausgezeichnet wurden Gruppierungen, die sich ehrenamtlich für das friedliche Miteinander verschiedener Glaubensrichtungen und damit für die gemeinsame Gestaltung unserer Heimat einsetzen.
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Der zweite Preis geht zu gleichen Teilen (je 9.000 Euro) an das „Zelt der Religionen“ nach Bamberg und den Interreligiösen Gesprächskreis Würzburg.
Das „Zelt der Religionen“ entstand im Rahmen der Landesgartenschau und entwickelte sich anschließend durch das Engagement von Bamberger Christen, Juden und Muslimen zu einer dauerhaften Begegnungsstätte für den interreligiösen Dialog.
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2. Preis
Zelt der Religionen, Bamberg/Oberfranken
Das „Zelt der Religionen“ war eigentlich eine Art Einweg-Veranstaltungsort. Es war ein Element der Bamberger Landesgartenschau 2012, aber schnell wurde Bamberger Christen, Juden und Muslimen klar: Daraus muss eine dauerhafte Begegnungsstätte für den interreligiösen Dialog in der Stadtgesellschaft werden. Das Zelt war ein regelrechter Publikumsmagnet, die Idee des interreligiösen Dialogs auf Augenhöhe zündete offenkundig. Also wurde ein Förderverein gegründet, um einen sichtbaren Ort zu schaffen, der symbolisch, aber auch inhaltlich für den Dialog zwischen den Religionen steht. Denn: „Dialog ist ein ständiger Prozess und benötigt einen Raum“, wie Andrea Hoffmann vom Förderverein zusammenfasst. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass alle gemeinsam dazu beigetragen haben, dieses bundesweit einzigartige Projekt umzusetzen. „Entweder alle drei Religionen zusammen oder gar nicht“. Alleine die Finanzierung für den Neuaufbau (immerhin fast 90.000 Euro) zu stemmen und den neuen Standort am Markusplatz mitten im Herzen Bambergs durchzusetzen, zeugt vom besonderen Engagement quer durch die Religionen. Und auch vom besonderen Pragmatismus: Auf explizite religiöse Symbolik wurde bewusst verzichtet, es geht schließlich um den Austausch, nicht um einen Wettstreit. Seit Sommer 2014 versammeln sich Juden, Christen und Muslime mehrmals im Monat in dem Zelt zum Gespräch, zu religiösen Festen, gemeinsamen Aktionen, wie etwa Friedensgebeten. Die Schwelle dafür ist denkbar niedrig, niemand muss ein Gotteshaus einer anderen Religion betreten, das Zelt bietet ein offenes Forum, jeder ist gleichermaßen Gast. Das Konzept wird angenommen, und es gibt trotz anfänglicher Befürchtungen auch keinen Vandalismus oder Anfeindungen. Die Idee ist ausdrücklich, nicht die vermeintlichen Vorzüge oder Nachteile der Glaubensbekenntnisse zu vermessen und auch nicht eine Art Einheitsreligion anzustreben. Durch die Dialogveranstaltungen zu interreligiösen Themen will man ins Gespräch kommen, wo sonst oft nur Sprachlosigkeit herrscht, Wissen erwerben, wo sonst Ahnungslosigkeit zur Ignoranz verleitet. Denn trotz aller Unterschiede, die man sich gegenseitig ausdrücklich zugesteht, gibt es eben auch Verbindendes. Der Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben, praktizierter Menschlichkeit und einer gerechten Gesellschaft spielt in allen drei Religionen eine entscheidende Rolle. Und gerade weil im Namen von Religion Missbrauch getrieben wird und diese Werte dadurch in Gefahr geraten, ist der Dialog so wichtig, findet Hoffmann: „Der Bedarf am Gespräch wird nicht weniger werden.“ Allerdings sieht man sich keinesfalls auf einer Mission zur Zwangsbeglückung oder der Gründung einer neuen Einheitsreligion. „Jeder ist immer herzlich eingeladen, aber niemand hier ist beleidigt, wenn Menschen sich dafür entscheiden, sich auf ihren Glauben zu konzentrieren. Das ist legitim und das respektieren wir. Wenn man Toleranz ernst nimmt, kann man das nicht anders sehen“. Diejenigen, die hingehen, empfinden es als Bereicherung, weil man nicht nur etwas über andere Religionen erfährt, sondern auch einen neuen Zugang zum eigenen Glauben findet, wenn man sich ernsthaft mit Glaube und Religion auseinandersetzt. „Oft fragt man sich dann: Wo genau stehe ich eigentlich? Wie ist meine Haltung? Erst so kann echter, aufrichtiger Dialog entstehen“. Mit dem Preisgeld möchte man das ausweiten, was man bereits begonnen hat. Neben den vielen Angeboten des Vereins können auch verschiedenste religiöse Gruppierungen, Schul- und Bildungseinrichtungen diesen Ort nutzen und sich über interreligiöse Themen informieren. In Zukunft möchte man auch noch intensiver mit Schulen zusammenarbeiten und die Jugendarbeit verstärken. Denn Religion, das ist ein Thema und das wird es bleiben, da sind sich alle im Förderverein sicher.
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Quelle: Bayerischer Landtag - Bürgerpreis 2017

Wir freuen uns riesig darüber und bedanken uns gleichzeitig bei allen Mitgliedern und Förderern und bei allen, die uns aktiv in unserer Arbeit unterstützen und ermutigen oder an unseren Veranstaltungen teilnehmen und so für Frieden und Verständigung zwischen den Religionen eintreten.